Die Maximale Abweichung des Abrollumfanges von der Serienreifengröße.

  • [F.A.Q.]

    Die Maximale Abweichung des Abrollumfanges von der Serienreifengröße.

    Viele Fragen sich, in wie weit der Abrollumfang denn vom Serienumfang abweichen darf. Nun, es gibt dazu bis jetzt keine Aussage in der StVZO oder in einer europäischen Richtlinie die Anwendung findet.
    Im Internet kursieren leider verschiedene Aussagen einiger User, die besagen, dass man 2, 3 oder gar 4% vom Serien-Abrollumfang abweichen darf. Hinterfragt man genauer bekommt man nur ein Schulterzucken oder aber man habe es vom hören sagen. Warum wohl? Weil diese Aussagen leider nicht durch unser geltendes Gesetz belegt werden können.

    In der Straßen-Verkehrs-Zulassungsordnung kurz StVZO beschäftigt sich der §57 mit dem Tacho. Genauer mit dem Geschwindigkeitsmeßgerät und Wegstreckenzähler. Jedoch findet sich hier keine Angabe zur genauen Maximalabweichung die ein Tacho haben darf. Sondern lediglich dieser Verweis:

    §57 Stvzo
    (2) Bei Geschwindigkeitsmeßgeräten muß die Geschwindigkeit in Kilometer je Stunde angezeigt werden. Das Geschwindigkeitsmeßgerät muß den im Anhang zu dieser Vorschrift genannten Bestimmungen entsprechen.


    Ab hier wird es ziemlich gemein für den geneigten Leser, herauszufinden was er möchte. Nach einer ausgiebigen Suche im Internet wird man im Bundesrechtanzeiger fündig.

    bundesrecht.juris.de

    Bei genauerem Schmökern in der angehangenen Europäischen Richtlinie "EWG-Rili 75/443/EWG" erlesen wir folgendes:


    Aus der EWG-Rili 75/443/EWG die der geltende Anhang zu 57 ist:


    4.3 Die Genauigkeit des Geschwindigkeitsmeßgeräts ist nach folgenden Prüfverfahren zu kontrollieren:

    [...]

    4.3.5 Das Fahrzeug wird bei folgenden drei Geschwindigkeiten geprüft: 40km/h, 80km/h sowie 120km/h oder 80% der vom Hersteller angegebenen Höchstgeschwindigkeit, wenn diese weniger als 150km/h beträgt. Die Fehlergrenze des zur Messung der tatsächlichen Geschwindigkeit verwendeten Kontrollgeräts darf nicht größer sein als +- 1,0%.

    [...]

    4.4 Die angezeigte Geschwindigkeit darf nie unter der tatsächlichen Geschwindigkeit liegen. Bei den unter 4.3.5 angegebenen Geschwindigkeiten sowie bei Zwischenwerten muss zwischen der vom Geschwindigkeitsmesser angezeigten Geschwindigkeit v1 und der tatsächlichen Geschwindigkeit v2 folgende Beziehung bestehen:

    0<=v1-v2<=v2/10+4km/h.

    Diese Richtlinie ist spätestens ab dem 01. Januar 1991 auf die von diesem Tage an erstmals in den Verkehr kommenden Kfz anzuwenden.


    Hier raus wird also ersichtlich welche maximale Abweichung mein Tacho haben darf.

    0<=v1-v2<=v2/10+4km/h

    Jedoch weiß man im Vornherein nicht in welchem Bereich mein Fahrzeug mit Originalbereifung liegt. Auch ein TÜV Prüfer weiß es nicht, man mag es kaum glauben, die Prüfer sind keine Hellseher, so das er einen Reifen der größer oder kleiner ist als der Serienumfang grundsätzlich erst mal nicht eintragen braucht ohne einen Nachweiß zu haben das der Tacho noch dieser Vorschrift entspricht. Es gibt also keine feste Aussage "dein Reifen darf 3% abweichen" Sondern nur eine maximale und minimale Tachotoleranz die keiner im vor raus bestimmen kann.

    Wird der Abrollumfang jedoch höher als 8% und der Prüfer hält sich an seine rechtsverbindlichen Arbeitsanweisungen muss er einen Abgasverhaltenstest anfordern.

    Verbindliche Arbeitsanweisung des KBA


    Ich hoffe ich konnte ein wenig Klarheit in manche "stille Post" Verwirrung bringen und schließe natürlich nicht aus das viele Prüfer das geltende Gesetz nicht kennen und durch Handauflegen eintragen. Jedoch schützt uns Autofahrer Unwissenheit vor Strafe nicht.

    Alles in allem habe ich die Weißheit nicht mit Löffeln gefressen. Wer einen Beleg für eine Unstimmigkeit findet, den möchte ich bitten dies mir oder einem anderen Moderator mitzuteilen.

    Ansonsten viel Spaß in der Cliowelt

    Gruß William